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Disclaimer

 

 

Am 15. November 1950 wurde unser Traditionsverein als „eingetragener Verein“ in das Vereinsregister des Amtsgerichts Weiden eingetragen.

 Dabei lässt sich die Tradition der Faschingsumzüge in Neustadt noch viel weiter zurückverfolgen. Genauer gesagt bis zum 14. Februar 1878. An diesem Tag fand nämlich ein Maskenumzug statt. Veranstaltet wurde dieser Zug von der Feuerwehr und sie stellten ein Zigeunerlager bei der Linde in der Freyung dar.

Die beiden Weltkriege brachten auch für den Neustädter Faschingsverein den Verlust so mancher geschichtlicher Unterlagen mit sich. In Überlieferungen und Erzählungen wird berichtet, dass es in Neustadt schon immer einen urwüchsigen Fasching gab, der stark in alte Traditionen verwurzelt ist. Besonders in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg erfüllten neben der Feuerwehr die Burschenschaft und der unvergessene „Hauer-Sepperl“ die Faschingsumzüge in Neustadt mit Leben und originellen Ideen. Nach Aufzeichnungen unseres leider verstorbenen Senators Gregor Menzl, genannt „der Stuck“, berichtete die Chronik der Burschenschaft damals von 6 - 8 originellen Faschingswagen und zahlreichen Mitwirkenden. In den damals noch zahlreichen Zoiglwirtschaften in Neustadt wurde so manche Idee geboren.

 Die damaligen Faschingsmatadoren waren u.a. der „Detschn-Franz“ – wegen seines großen Gesichtserkers auch „das Löschhörndl“ genannt – der alte „Gower“, der „Näger-Spez“, der „Sailer-Seppl“ und der auch heute zumindest dem Namen nach bekannte Wachtmeister „Haslbeck“. Wenn man bedenkt, daß bereits im Jahre 1929 erstmals ein Faschingszug im Film festgehalten wurde, so unterstreicht das ebenfalls die überregionale Bedeutung der Umzüge am Faschingswochenende in unserer Kreisstadt.

 Noch vor der Vereinsgründung im Jahre 1950 war das Jahr 1934 ein besonderer Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte. Dem damaligen Lehrer Otto Ries, dem Schneidermeister Geiler, den Neustädter Geschäftsleuten sowie den Schulschwestern ist es zu verdanken, dass unsere Vereinsfahne angeschafft werden konnte. 

Diese Vereinsfahne mit dem Schwarzen Kater als Symbol auf der einen Seite und der Inschrift: „Wenn schon –denn schon“ auf der anderen Seite, wird heute noch bei Auftritten und Umzügen mitgeführt. Gestiftet wurde diese Fahne damals vom Gastwirt Hans Ebneth, genannt der Ebnet Bolisch. Auf dem Stadtplatz fand die Fahnentaufe statt, wobei der damalige Apotheker Hermann Ruyter vom Fenster aus die Fahne mit Sekt taufte.

Bis 1938 gingen die Faschingsumzüge trotz der Beschränkungen während des Dritten Reiches in gewohnter Weise weiter. Der 2. Weltkrieg riss auch in die Reihen der Aktiven des Faschingsvereins so manche Lücke. Bezeichnend ein Vermerk im alten Protokollbuch:

„Geschlagen war ein Land, doch seine alten Sitten und Bräuche konnte niemand rauben!“

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der bitteren Kriegsjahre und Niederschläge, die der einzelne hinnehmen musste, besann man sich allmählich wieder auf die Freuden des Lebens. Der Allgemeine Sportverein war es, der im Jahre 1946 wieder eine Faschingsveranstaltung durchführte. Mit Dr. Eduard Trottmann und Magda Siegert wurde auch erstmals ein Prinzenpaar präsentiert. Der Faschingsball wurde damals im Saal des Krankenhauses in Wöllershof abgehalten. Die noch übrig gebliebenen Uniformen wurden hervorgeholt und zu diesem Ball angezogen. Leider waren damals bereits viele alte Uniformen und Faschingsgewänder durch die amerikanischen Besatzungstruppen beschlagnahmt worden. So verschwanden damals u.a. auch die kompletten Uniformen und die Böllerkanone der Bürgerwehr.

Die damalige schlechte Zeit war wohl schuld daran, dass nach dem Start 1946 erst im Jahre 1948 zum 2. Male der ASV das Faschingsgeschehen in die Hand nahm. Es reichte zwar noch zu keinem Faschingsumzug, aber im Lindnersaal – der heutige Bärensaal – wurden Michael Andörfer als Prinz „Michl I. von Kalorien“ und Frau Schwarzer als seine Prinzessin für einen Ball inthronisiert. Der erste zaghafte Versuch eines Faschingszuges stellte im Jahre 1950 schließlich die Verbindung zur alten Neustädter Faschingstradition wieder her.

So fanden sich am 15. November 1950 die Vereinsvorstände des ASV, der Burschenschaft, des kath. Gesellenvereins, des Gesangvereins Sängerbund, der Wasserwacht und einige Faschingsidealisten im Hotel „Kronprinz“ zusammen, um – wie im alten Protokoll nachzulesen – „dem Fasching 1951 ein besseres Gepräge zu geben“. Gregor Menzl, genannt Stuck, wurde zum Vorsitzenden des Faschingskomitees gewählt, da er beim vergangenen Faschingszug seine diesbezügliche Routine und sein närrisches Können bewiesen hatte. Ein Antrag von Bürgermeister Hans Trottmann, nämlich die Gründung eines eigenen Faschingsvereins, wurde angenommen. Der Verein wurde unter dem Namen „Verein Neustädter Faschingszug e.V.“ in das Vereinsregister beim Amtsgericht Weiden eingetragen. Das Gründungsprotokoll weist folgende Vorstandschaft aus:

1. Vorstand:                Adolf Jakob

2. Vorstand:                Gregor Menzl

Schriftführer:              Josef Lang

Kassier:                       Johannes Trottmann

Ausschussmitglieder:   Michael Andörfer

                                     Josef Eich

                                     Hans Trottmann

                                     Franz Kollerer

                                     Heinrich Spöckl

                                     Erwin Schwarzer

                                     Günther Schwarzer

                                     Friedrich Robl

 

In dieser Gründungsversammlung fand noch ein Antrag von Josef Eich allgemeine Zustimmung, und zwar gibt es während der Vereinstätigkeit nur ein gemeinsames „Du“ untereinander und der Faschingsgruß ist seit damals ein dreifaches „Neustadt – Helau!“

Viele dieser damaligen Vereinsstatuten wurden auch in die neue Vereinssatzung, die im Jahre 1981 erneuert und angepasst wurde, übernommen.

 Am 13.Januar 1951 bestiegen Michael Andörfer als Prinz „Michl I. von Kalorien“ und Bettina Rosner als Prinzessin „Bettina I. von Blumenien“ den närrischen Thron.

Mit 25 buntgeschmückten Festwägen, Prinzengarde und Elferrat sowie einem Prinzenpaar, das in einer prächtigen, von 2 Ochsen gezogenen Hofkutsche saß, hatte der Faschingszug 1951 schon wieder eine stattliche Größe aufzuweisen. Zirka 3000 Menschen standen damals dichtgedrängt zu beiden Seiten der Straße vom Gasthaus Walbert bis zum Hotel Grader.

Durch einen Schelmenstreich wurde auch der Weidener Faschingsprinz „Walter I. von Klexographien“ (Walter Katzenberger), leicht ramponiert, in einer Kutsche mitgeführt, sehr zum Unwillen der vielen Weidener Zuschauer, die eigens in die Kreisstadt gekommen waren.

Dieser sehr erfolgreichen Faschingssaison 1951 folgte noch eine wahre Blütezeit in unserer Vereinsgeschichte. Die nachfolgenden Prinzenpaare sind bis heute unvergessen:

1952  Gregor Menzl als Prinz „Gregor I. von Stuck“ und       seine Prinzessin Rosemarie Werner

1953  Rudolf Katzenberger als Prinz „Rudolf I. von Musikalien“ und Josefine Brunner

1954   

 

1955  Josef Grader jun als Prinz „Josef I. von Stahl und Eisen“ und seine Prinzessin Magda Mühlhofer als „Magderl I. von Mühlenhof“

1956  Gregor Rosner als Prinz „Gregor II. von Blumenien“ und Johanna Landgraf als Prinzessin „Hannerl I. von Landgrafen“

 

Die Faschingsumzüge entwickelten sich mehr und mehr zum Zuschauermagneten am Faschingssonntag in der gesamten nördlichen Oberpfalz. Die Zeitungsberichte von damals sprachen von jeweils ca. 5000 Zuschauern, die aus dem ganzen Umkreis in unsere Stadt kamen. Sogar mit Sonderzügen der Bundesbahn kamen die Schaulustigen angereist. Und am Ende des Zuges herrschte in den Neustädter Gastwirtschaften und Zoiglstuben natürlich Hochstimmung.

Stammlokale des Vereins waren damals u.a. die Zoiglstuben von Hans Rosner und Matthias Brewitzer oder auch die Bierwirtschaft von Hans Ebnet. Dort wurden viele Ideen geboren und so manches Schelmenstück ausgeheckt. Welch raue Sitten damals herrschten, zeigt ein Bericht im Protokollbuch:

Im Jahre 1955 gelang den Neustädter Faschingsnarren erneut ein Husarenstück. Es gab ja nicht erst seit dem Jahre 1951, als der damalige Weidener Faschingsprinz im Faschingszug „mitgeführt“ wurde, eine gewisse Rivalität zwischen den Weidenern und den Neustädtern. Der Weidener Faschingsprinz Anderl Wies wurde im Jahre 1955 nach reichlichem Alkoholkonsum im Cafe Deubzer in Neustadt interniert. Zwei Wachposten, mit Dreschflegeln bewaffnet, hielten vor dem Eingang der Gastwirtschaft Wache. Beim Faschingszug schließlich wurde „Prinz Anderl I., der Traurige“ in einem Käfig mitgeführt, immer noch nicht ganz Herr seine Sinne. Was natürlich die zahlreich angereisten Weidener Faschingsnarren nicht so gerne sahen.

Seit dieser Zeit hat sich auch ein Brauch bis in unsere Tage erhalten. Es bekam jeder Faschingswagen und jede größere Fußgruppe, die aktiv am Faschingszug beteiligt ist, von der einheimischen Brauerei je einen Kasten Bier kostenlos zur Verfügung gestellt. War es früher die „Bären-Brauerei“ von Josef Mühlhofer, so führte vielen Jahre darauf die „Landbrauerei Scheuerer“ aus Moosbach diese Tradition dankenswerterweise fort. Leider sind diese glorreichen Zeiten vorbei, aber der Verein sorgt auf die gleiche Weise immer noch für eine ausreichende Bewirtung. Einen nicht geringen Anteil am Zustandekommen eines Faschingszuges haben aber seit je her auch die übrigen Neustädter Geschäftsleute. Sie unterstützen alljährlich die Bemühungen des Vereins auf vielfältigste Art und Weise. So stellen sie dazu kostenlos Fahrzeuge und Wagen bereit oder geben Zuwendungen in finanzieller und materieller Art.

Wie in jedem Verein, so gab es auch im Faschingsverein ein ständiges Auf und Ab in der Vereinsgeschichte. Nach einigen Jahren der Blütezeit gab es auch immer wieder magere Jahre zu überstehen. Obgleich es nicht alle Jahre ein Prinzenpaar zu bewundern gab, so bewegte sich dennoch fast jedes Jahr ein Faschingszug durch die Straßen. Initiatoren waren oftmals die Männer der Freiwilligen Feuerwehr, sonstige Faschingsmatadoren oder auch die „Freyunger Birtschn“, die bekannt sind für ihre eigenen Ideen und gestalterischen Fähigkeiten. Die Freyung stellte fast eine eigene kleine Faschingshochburg dar und zahlreiche Faschingsmatadoren kamen oder kommen noch aus diesem Stadtviertel. In Erinnerung ist vielen sicher noch die „Zirkus-Krone-Band“ von Hans Fukerider oder unser Senator Willi Hausner (Sachsen-Willi), der mit seinem originell dekorierten Schubkarren stets die Lacher auf seiner Seite hatte. Während der Regierungszeit von Josef Grader wurde sogar ein eigener „Birtschn-Ball“ im Lindnersaal abgehalten. Es gab damals Freibier für alle Besucher und das Prinzenpaar wurde standesgemäß auf einem Fischerkahn in den Saal gezogen.

Nach einer etwas ruhigeren Zeit erfuhr der Verein im Jahre 1965 eine Wiederbelebung. Es waren wieder einmal die Männer der Freiwilligen Feuerwehr, die den Verein mit neuem Leben erfüllten. Dieser erneute Anlauf bescherte folgende Prinzenpaare:

1965 Max Pöllmann als Max I. von Schlot und Christl Schowald, seine heutige Ehefrau, als Christl I.

1966 Gerd Werner als Gerd I. von der Aliburg und Elisabeth Spachtholz als Elisabeth I. von Gardinien

1967 Hans Beierl als Hans I. von AOKasien und Karin Klemm als Karina von der Pfalz

1968 Hansjörg Herzner als Hans II. von der Münzburg und Christa Holm als Christina de Moneta.

1969 Ludwig Fritsch als Ludwig I. von Metallien und Bärbl Trommer als Bärbl I. von Rathausen.

 Unvergessen aus jener Zeit sind noch  die Stadtbälle mit der Hofkapelle Hans Thoma aus Weiden. Oder das Prinzentreffen 1968 mit Faschingsgesellschaften aus Weiden, Amberg und Haselmühl sowie das Treffen aller Exprinzenpaare im Jahre 1969 im Bärensaal. Unser Verein war damals bereits Mitglied im Landesverband Ostbayern des Bundes Deutscher Karneval.

Die Faschingsumzüge in dieser Zeit waren wieder zum Markenzeichen des Neustädter Faschings geworden. Auch wenn durch ungünstige Witterungsverhältnisse bedingt,  der traditionelle Faschingszug einmal abgesagt werden mußte, so fanden sich trotzdem sehr viele Wagen und Fußgruppen zusammen. Sie zogen ganz einfach in einem „wilden Faschingzug“ durch die Straßen der Stadt.

Nach 1970 war es still geworden um den Neustädter Faschingsverein. Obwohl die Vereinstätigkeit ruhte, fanden zahlreiche Faschingsveranstaltungen statt. Bei einigen Vereinsbällen in den 70er Jahren von Wasserwacht, ASV und Sängerbund wurde sogar für jeweils einen Abend ein internes Prinzenpaar gestellt. Dieses wurde dann auch beim jeweiligen Faschingszug präsentiert.

Auch die Faschingszeitung „Schwarzer Kater“ erschien, und die Stadt sowie Gastwirt Josef Eichinger oder Aloisia und Zacharias Rebl organisierten maskierte Kinderumzüge. Neben der Stadt zeichnete Michael Andörfer mit verantwortlich. Er verfügte als ehemaliger Faschingsprinz und langjähriger Präsident über die nötigen Kenntnisse und neben ihm leiteten noch u.a. Josef Eich, Karl Brunner (genannt der Brunner Boß) und Hans Konz die Geschicke des Vereins.

Schließlich weckte die anstehende 750-Jahr-Feier der Stadt in einigen Faschingsidealisten die Idee, den Verein wieder aufleben zu lassen. Eine erste diesbezügliche Zusammenkunft fand am 11. Februar 1981 in der Neustädter Schwimmhalle statt. Vielleicht ein gutes Omen, da der Verein bis heute noch nicht wieder „Baden“ gegangen ist. Es wurde die alte Satzung überarbeitet und ergänzt und nach vielen Vorbereitungen und Sitzungen am 10. April 1981 im Gasthaus „Zum Bären“ folgende Vorstandschaft gewählt

1. Vorstand                Ludwig Fritsch

2. Vorstand                Hans Völkl

Kassier                       Monika Kappert und Harald Kersten

Schriftführer              Hans Spachtholz

Zahlreiche Mitglieder wie Max Pöllmann, Hansjürgen Kappert, Hermann Schmid, Leni Völkl, Christian Schmidt, Günter Konz und Otto Sixt  vervollständigten den Vereinsausschuss und übernahmen Aufgaben als Präsidenten, Hofmarschall, Elferrat usw.

Während der damaligen Wiedergründungsversammlung konnte bereits das 100. Mitglied aufgenommen werden. Der momentane Mitgliederstand von etwa 570 zeigt die enorme Entwicklung, die unser Verein seither genommen hat, wohl deutlich auf. Zur Beschaffung dringend benötigter Geldmittel wurde am 2. August 1981 das Schlossgartenfest unterhalb des Landratsamtes abgehalten. Schon der zahlreiche Besuch zeigte uns, dass die Bevölkerung voll hinter dem wiedergegründeten Verein stand.

Am 7. November 1981 wurde anlässlich des Kirchweihballes der Feuerwehr im Bärensaal das neue Prinzenpaar samt Hofstaat  vorgestellt. Beim Inthronisationsball am 9.Januar 1982  hätte der Bärensaal gut und gerne dreimal so groß sein dürfen, um allen Kartenwünschen gerecht zu werden. Die Besucher und auch die Presse überschütteten uns geradezu mit Lob und Anerkennung. Es zeigte sich, dass sich innerhalb der Vorstandschaft wahre Organisationstalente befanden. So erhielt bereits am Eingang jede Dame eine rosa (Rosner)-Rose überreicht.

Die überaus rührigen Vereinsvorstände seit der Wiedergründung im Jahre 1981 waren

Ludwig Fritsch

Hansjürgen Kappert

Ulrich Konz

Arthur Troidl

Mathias Peters

Sandro Schäffler.

Die jeweiligen Herrscherpaare auf dem Narrenthron seit diesem Jahre 1981 waren der Reihe nach:

1982 Prinz Josef Arnold als Josef II. von Mehlanien und Elisabeth Simmerl als Prinzessin Elisabeth II. von Kristallien

1983 Josef Pensky als Prinz Josef III. von Elektronien und Regina Kische als Prinzessin Regina I. von Parkettanien

1984 Armin Sengenberger als Armin I. de Figaro und Gabi Trottmann als Gabi I. von Trottmania

1985 Karl-Heinz Bock als Karl-Heinz I. der Postillon und Doris Mühlhofer als Doris I. von Hopfen und Malz

1986 Helmut Fukerider als Helmut I. von Justizien und Waltraud Schön als Waltraud I. vom Schlemmerland

1987 Helmut Bauer als Helmut II. von der Möbelburg und Renate Troidl als Renate I. vom Felixberg

1988 Martin Herbrecher als Martin I. von der Fröschau und Christine Franke als Christina II. vom Kristallpalast

1989 Norbert Schwarz als Norbert I. von Electronica und Annette Rödl als Annette I. de Cosmetica

1990 Rüdiger Merkle als Rüdiger I. von der Brenner-Schäffer-Feste und Daniela Kappert als Daniela I. aus der Kristallstadt

1991 Arthur Troidl als Arthur I. von Guß und Stahl und Sabine Pöllmann als Sabine I. de Nachtmannia

1992 Alexander Hausner als Alexander I. von Debrezinien und Christina Ruf als Christina III. de Germanistika

1993 Martin Jakob als Martin II. le Coiffeur und Petra Salfetter als Petra I. la Ballerina

1994 Uwe Marzik als Uwe I. von Grenadonien und Anja Stelzer als Anja I. von Paragraphien

1995 Stefan Hecht als Stefan I. von Papyrus und Heidi Schmid als Heidi I. von Schmuck und Kristall

1996 Armin Schönberger als Armin II. von Automechanika und Claudia Schermaul aus Claudia I. de Karneval

1997 Jo Herbrecher als Joachim I. vom Fensterpalast und Kerstin Grüner als Kerstin I. vom Blumenviertel

1998 Markus Zimmermann als Markus I. vom Eisenland und Claudia Nachtmann als Claudia II. von Notarien

1999 Frank Kick als Franz I. vom Stern und Ilona Schmid als Ilona I. von Medizinien

2000 Sebastian Scharnagl als Sebastian I. von Ökonomien und Margot Lang als Margot I. von der Mühlbergveste

2001 Matthias Kraft als Matthias I. von Edekanien und Susanne Portner als Susanne I. von der Postburg

 2002 Jürgen Trescher als Jürgen I. de Metallica und Huschka Karola als Karola I. von Porzellanien

 2003 Tanilo als Tanilo I. le Monteur und Kerstin Riebl als  Kerstin II. de Neurologia

 2004 Georg Kunz als Georg I. von der Schlosserburg und Sabine Weiß als Sabine II. vom Friseurpallast

 2005 Michael als Michael II. de l’Acier und Sabine Koller als Sabine II. de la Valee Verdure

 2006 Hecht Jürgen als Jürgen II. von Akademien und Bergler Petra als Petra II. de Touristika

2007 Filchner Josef als Josef IV. le Gendarme und Kathrin Bergler als Kathrin I. de l´Argent

2008 Johannes Nagler als Johannes I. le Carpentier und Barbara Konz als Barbara I. L´Econome

2009 Michael Hierold als Michael I. vom Kasernenhof und Carina Gronauer als Carina I. von der Wagenschmiede

2010 Daniel Sommer als Daniel I. von Educatien und Alexandra Meyer als Alexandra I. von Pädagogien

heuer schließlich regieren Andreas Krös als Andreas I. von Bayerntreu und Corinna Lang als Corinna I. vom Urgestein über das Neustädter Narrenvolk.

Unser Verein war seit der Wiedergründung stets in der glücklichen Lage, diese Position immer mit engagierten und fähigen Leuten besetzen zu können.

Das sog. „Gassl-Fest“, das unser Verein seit vielen Jahren unterhalb der Altstadt feiert, hat mittlerweile die Dimension eines zweiten Neustädter Bürgerfestes angenommen. Die Besucher kommen jedes Jahr sehr gerne zu uns, denn es wird ihnen jedesmal etwas Neues geboten.

Viele dieser Sitten und Bräuche wurden auch im Buch „Fasching in Ostbayern“ von Dr. Wolfgang Schöberl erwähnt und so einer noch größeren Bevölkerungsschicht bekannt gemacht.

So stellt beispielsweise die zünftige Mobilmachung am Faschingssamstag einen festen Bestandteil des Neustädter Faschings dar. In phantasievollen Uniformen ziehen Mitglieder des närrischen Rates durch die Straßen, hissen die Vereinsfahne am Vereinslokal und der als Gendarm Haslbeck verkleidete Ehrensenator Oskar Schwarz gibt der Bevölkerung lautstark bekannt, dass die letzten tollen Tage angebrochen sind und sich wiederum ein sehenswerter Gaudiwurm durch die Straßen der Kreisstadt bewegen wird. Tradition hatten auch lange Jahre hindurch die Ochsengespanne, mit denen die Prinzenwagen gezogen wurden. Die Familien Brewitzer, Trommer, Plößner und Kummer stellten neben anderen dazu ihre prächtigen Ochsengespanne jahrelang zur Verfügung. Erst als im Rahmen der zunehmenden Motorisierung die Ochsengespanne verschwanden, wurde das Herrscherpaar entweder in einer Pferdekutsche präsentiert oder ein Lkw oder Tieflader als Prinzenwagen dekoriert. Dank gebührt an dieser Stelle unserem Freund und Gönner Wastl Scharnagl, der mit seinem großen Traktor als Hofkutscher fungiert und sich rühmt, bisher noch jede Prinzessin rumgezogen zu haben. Angeführt wird unser Faschingszug stets von der Vereinsfahne und dem Gendarm Haslbeck sowie den beiden Begleitern, dem Obergefreiten Kipfl und dem Gefreiten Stutz, den eigenen Wachsoldaten des Prinzenpaares.

Neidvolle Blicke anderer Herrscherpaare ziehen sich unsere Prinzenpaare auch bei Empfängen und Prinzentreffen zu. Die seit vielen Jahren von der Firma F.X. Nachtmann, jetzt Riedl, gestifteten Glaszepter stellen jedesmal ein Unikat dar. Sie sind prächtig gestaltet und das Prinzenpaar darf diese gläsernen Zeichen ihrer närrischen Regentschaft als Andenken behalten.

Etwas Besonderes sind auch unsere Faschingsorden. Sie werden jährlich,früher abwechselnd von den Neustädter Künstlern Max Fischer und Lutz Zettler, heute nur noch von Lutz Zettler entworfen. Auch auf diese Kunstwerke sind wir natürlich sehr stolz.

Zum festen Bestandteil eines typisch Neustädter Faschings gehört auch die Faschingszeitung „Schwarzer Kater“. Ein eigenes Gremium stellt die schönsten Beiträge zu einer lustigen und immer wieder sehnlichst erwarteten Zeitung zusammen. In dieser einmaligen Ausgabe wird so manche Kuriosität und lustige Begebenheit des letzen Jahres auf die Schippe genommen. Manche behaupten sogar, wer nicht in der Faschingszeitung auf den Arm genommen wird, der ist nicht „in“.

Auch unser origineller Faschingskehraus mit traditionellem Begräbnis stellt eine besondere Eigenart dar. Alte Tradition prägt auch unsere Prinzengarde, die nach alten Überlieferungen eben exerzieren und nicht als Ballet auftreten soll, wenn gleich eine alljährliche Show-Einlage mit meist modernen Rhythmen die Männerherzen höher schlagen lässt. In einem feierlichen Rahmen erfolgt alljährlich die Ordensverleihung durch das Prinzenpaar an verdiente Bürger der Stadt. Die Geehrten werden einzeln zum Prinzenthron geleitet, erhalten Orden und Küsschen der Regenten und dürfen sich dann in einem eigenen goldenen Buch verewigen, bevor sie zu einem Sektempfang geladen werden. Diese Orden sind bis zum Faschingsende bei allen  öffentlichen Auftritten, bei denen das Herrscherpaar anwesend ist, sichtbar zu tragen. Bei Nichtbefolgen wird der Ordensträger von einem Standgericht mit Bußgeld belegt. Zur Tradition geworden sind auch die Empfänge des Bürgermeisters für das Prinzenpaar und den Hofstaat im Rathaus zu Beginn und zu Ende der jeweiligen Faschingssaison. Auch der alljährliche Besuch im Lobkowitzer-Schloss beim regierenden Landrat stellt nicht nur für das Regentenpaar einen besonderen Höhepunkt der Faschingssaison dar. Am Faschingsmontag und –dienstag schließlich besucht der Prinz zum Abschluss seiner Regierungszeit noch verschiedene „Güter und Ländereien“ seines Reiches, um für die letzten Stunden ausreichend gerüstet zu sein.

Über Sitte und Anstand, besonders in den letzten Faschingstagen, wacht die sog. “Sitte“, die abends, mit Laternen und Säbel bewaffnet, zu ihren Kontrollgängen ausrückt. Auf ihren beschwerlichen Wegen kann es dabei schon mal vorkommen, dass die Streife für einige Zeit als verschollen gilt oder sogar vom richtigen Weg abkommt und dabei eingeschneit wird.

 

(Auszug einer Rede von Hans Spachtholz)